Margot Stöckl

Unsere Familie besteht aus Vater, Mutter und vier Mädchen.

Mein Vater war Tischler und wollte immer einen Sohn als Nachfolger, aber so musste er sich auf uns Mädchen orientieren. Ich selber war die Drittgeborene und verbrachte schon als kleines Kind viel Zeit in seiner Werkstatt.

Für Kinder hatte mein Vater sehr viel übrig, und so war es für mich und meine Spielgefährten selbstverständlich, dass wir Material und Werkzeug zur Verfügung hatten, um unsere Spiele selbst zu basteln. Schon damals erkannte mein Vater meine Begabung für das Handwerk.

Später arbeitete ich in den Ferien in der Werkstätte mit. Das tat ich gerne, denn ich liebte die Atmosphäre dort und konnte mir viel abschauen. Ich begriff Vaters Kreativität und Sinn für individuelle schöne Gestaltung.

Von ihm lernte ich, vor nichts Angst zu haben und auch große Projekte anzugehen. Unkompliziertes Denken und Ausprobieren – so entstanden immer wieder schöne Einzelstücke.

Das wollte ich auch können, und so teilte ich meinen Eltern mit, dass ich die HTL für Kunsthandwerk in Innsbruck besuchen möchte.

Meine Mutter war davon gar nicht begeistert. Ich war ein zierliches Mädchen, und sie hätte es lieber gesehen, wenn ich bei ihr im Hotel mitgearbeitet hätte. Das war aber gar nicht mein Ding.

Ich habe mich bei meinen Mitschülern und Lehrern durchgesetzt und als einziges Mädchen die Schule mit der Tischlerlehre abgeschlossen.

In dieser Zeit wurde mir Kunst näher gebracht, und ich schaute mir die Ausstellungen, die wir in der Schulzeit besuchten, sehr genau an.

Wie das Leben so spielt – ich kam aber doch in das von mir so ungeliebte Gastgewerbe, das ich dann viele Jahre ausübte.

Doch der Wunsch nach Kreativität und der Schaffensdrang waren stärker. So begann ich, mit Ton zu experimentieren und arbeiten. Alte handgeschmiedete Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände aus dem täglichen Leben zogen mich immer schon magisch an und so begann ich, sie zu sammeln und in meine Werke einzubeziehen. Das war endlich das Richtige für mich.

Menschen verschiedenster Charaktere und aus den unterschiedlichen Kulturen, die mir auf meinen vielen Reisen immer wieder begegneten, mich faszinieren, sind Quelle und Inspiration meiner Kunstwerke.

Eingebungen und Ideen lassen mich nicht schlafen, ich arbeite dann auch nachts, bis der richtige Ausdruck entstanden ist.

Sonnenlicht oder der Widerschein des Fernsehapparates – die Ausdrücke meiner Plastiken verändern sich immer und immer wieder, sie kommunizieren mit mir. Diese Erkenntnis kann süchtig machen und lässt immer Neues entstehen.

Wenn ich heute zurückschaue, weiß ich, dass ich diese Gabe schon immer in mir gehabt habe. Wenn ich nach vorne schaue, weiß ich, dass ich sie auch verwirklichen kann.